3 Gründe, warum du (noch) lebst

Eine mögliche Anleitung für den Ausstieg aus dem Netz der Gedanken.

Über eine Woche Pause auf diesem Kanal. Es hat mich mal wieder erwischt. LETHi ist wieder da – und auch nicht. Es ist halt nicht so schlimm wie beim allerersten Mal, und auch nicht einmal mehr so wie beim letzten Mal, aber es ist da: dieses Gefühl, in einer Blase zu stecken, dringliche und auch wichtige Dinge nicht zu tun und statt dessen lieber das, was mir persönlich wichtig ist; alles in Frage zu stellen, sich sehr verletzlich zu fühlen.
Was mache ich? Chaostante produziert Pasta. Ich esse sie selten – teste nur probeweise (rd. 15 Gramm) – produziere sie aber gern und verschenke die Früchte meiner Arbeit.
— Das ist übrigens der Grund für meinen Nick, denn in mir entwickelte sich schon vor vielen Jahren das Gefühl, dass ich die Dinge anders als viele andere Menschen um mich herum angehe, was den Eindruck vermittelt, »chaotisch« zu leben.

Das Pasta-Prinzip

Wenn ich Pasta produziere bin ich voll ganz im Jetzt. Nur Pasta ist das Thema. Ich bin im Flow. Früher ging es mir mit anderen Tätigkeiten so, beispielsweise Gitarre spielen oder eines der vier andere Instrumente, die ich beherrsche, Tennis vor der Wand üben (also ohne Partner), Kochen und backen usw.
Zurzeit sind es Pasta-Produktion, Gärtnern, Fahrrad- und Motorrad fahren, straffen Schritts spazieren/wandern gehen.

Diese Aktivitäten helfen mir, die Blase, den Wattebausch zu durchstoßen.

Ich erinnere mich noch an meine »gesunde« Zeit: Da erzählten mir LETHis genau so etwas und ich dachte »Drückeberger. Die haben keinen Bock, zu arbeiten wie es jeder andere auch muss.« (und ich dachte noch dabei „wie unverschämt sind die, sich Zeit für sich selbst zu nehmen? So kann unsere Gesellschaft nicht funktionieren“) und ich habe mich weiter gequält, gegen meinen Biorhythmus gelebt, gearbeitet, gearbeitet, gearbeitet. – Naja, vielleicht deshalb darf ich diese Erfahrung mit mir selbst machen. (…) Um zu erkennen, dass es mir um einige wenige wichtige Dinge geht im Leben. Diese haben allesamt nichts mit Status oder Einkommen, Karriere, Familie oder Partnerschaft zu tun; nur mit mir selbst.

Ok. der Weg zu dieser Erkenntnis war lang und hart. Er hatte nichts mit dem zu tun, was man im viel zitierten Volksmund unter »depressiv« versteht. Zu keiner Zeit war ich traurig oder wollte meinem Leben ein Ende setzen. Das macht ja nun auch nicht jeder. Der Suizid — auch der gedankliche — gehört nicht zwangsläufig dazu.

Hier meine Gedanken zur Frage, warum nicht jeder Depressive sich das Leben nimmt, nehmen will usw. Es ist zugleich der Weg, den ich sehr radikal eingeschlagen habe und der mir Schritt für Schritt Verbesserung bescherte.

Grund 1: du erkennst deinen Beitrag

Die Talsohle eines Tiefs ist für mich überschritten, wenn ich mir verzeihe, Gedanken zu haben wie »bloß wegen…« Nein, Schuld sind nie die anderen, nicht einmal die anonymen Umstände. Schuld ist nichts und niemand, denn dieser Begriff bezeichnet ein geistiges Konstrukt, zu welchem wahrscheinlich der Mensch allein fähig ist, — um sich selbst zu geißeln.

Es ist, was es ist. Annehmen, was ist  lautet die Übung der Stunde.

Was mein Beitrag war? Trennendes Denken. Ich war wirklich überzeugt, dass jeder Mensch ein gutes Leben leben kann, wenn er sich nur »anstrengt«. Also, wenn es besonders weh tut, dann ist es richtig. Für Geld muss man halt bluten. Dazu gehören: kaum/kein Privatleben haben, kaum/keine Freizeit, Urlaub usw., keine selbstbestimmte Ernährung usw. … ist halt so. Der Mensch MUSS knechten, damit er das Geld verdient, dass er sodann im System fleißig an andere verteilt. Was für ein Brainwash!

Zurück zum trennenden Denken: alle, die sich dem nicht fügen, müssen also faul sein und schaden dieser Gesellschaft. Mit dieser Lebenslüge wuchs ich auf. Fleißig tat ich alles, um nicht zu solchen unguten Menschen zu gehören. Und dennoch begegneten mir so viele, die ihre Leidenschaft leben. Ich fand keine Antwort darauf, warum mir dies nicht zusteht. Schon wieder so ein Brainwash-Word. Niemand hat ein Recht auf irgendetwas. Und: nein, das „Recht“ kann/muss man sich nicht erkämpfen. Recht und Wahrheit sind weitere Brainwash-Words.

»Sag nicht: Ich kenne die Wahrheit, sondern:
ich ich kenne eine Wahrheit, die meinem Weg folgt.«
(Khalil Gibran)

Abhilfe: Ermächtige Dich selbst.

Es interessiert nicht, wer, warum über dich urteilt. Allein dein Urteil Gefühl zählt. (beurteilen … auch schon wieder Brainwash).

Grund 2: du übernimmst Verantwortung für deine Gefühle

Also ermächtigte ich mich selbst, die volle Verantwortung zu übernehmen. Stück für Stück schnitt ich die alten Zöpfe ab, die auf trennenden Denken beruhten. Es waren viele. Und dann trat so etwas wie eine Stille ein. Ein Gefühl, wie wenn Du vom 10-Meter-Brett runter springst, obwohl du mordsmäßige Angst davor hattest, da unten auf dem Wasser falsch zu landen.

Ich frage mich: Was macht denn da gerade die Angst, das Misstrauen, die Enttäuschung? Und: Was wäre ich ohne diesen Gedanken? Es ist sehr interessant.

Mittlerweile bin ich nahezu hochsensibel, wenn es darum geht, die Vibrationen von Menschen zu spüren, die sich mit Brainwash selbst geißeln und glauben, dies sei die Realität, die Wahrheit, die Unausweichlichkeit. Ich gehe auf Zeitdiät zu solchen Menschen. — Nein, ich muss auch  nicht »helfen«, denn die Erkenntnis ist jedem individuell selbst und persönlich vorbehalten. Nichts und niemand kann es dir abnehmen. Es ist wie Fahrrad fahren oder laufen lern. Das Hinfallen gehört dazu. Einige wenige werden sich ihr Leben lang auf kein Fahrrad mehr setzen, die meisten haben es irgendwann raus, mit dem Gleichgewicht. Sie werden es nie verlernen.

Übernehme die Verantwortung für deine Gedanken und Gefühle — und du wirst Unabhängigkeit ernten.

Grund 3: du folgst deinem Herzen

Der dritte Grund, warum ich bestimmt nicht freiwillig meinen Nachlass irgendwem überlasse … ich folge nur noch meinem Herzen.

Wenn da gegensätzliche Gefühle über irgendetwas aufkommen gehe ich wie im letzten Schritt beschrieben vor und folge dann dem, was stimmig ist. Das war für mich persönlich der größte Schritt. Dieser war mit schmerzlichen finanziellen Einbußen verbunden. Ehrlich gesagt hätte ich selbst nie gedacht, mit wie wenig Umsatz man dennoch überleben kann. Aber: es tut unglaublich gut. Nebenbei bemerkt ist die Talsohle durchschritten. Zugegeben, diese hatte ich 2013 verortet, jetzt haben wir 2017. Aber wer sagt auch, dass ein ein Turnaround nur neun Monate dauern darf? Wie lange werden Startups im Silicon Valley gepimpert und produzieren Tag für Tag Verluste?

Tja, und darum produziere ich zurzeit in 3-Stunden-Schichten abends Pasta. Es tut gerade gut und ich beschenke mir liebe Menschen damit. :-)‘
Ja, ich denke auch über professionelle Produktion nach. Nur, wer die Hürden einer Lebensmittelproduktion in Deutschland kennt, lässt diesen Gedanken ganz schnell wieder 🙂

Phrasen, die du kritisch prüfen solltest

Folgende Phrasen zeigen dir, dass du in alten Schuhen des trennenden Denkens steckst:

  • »Diese Person soll nicht gemein zu mir sein/mich nicht verletzten/ sich entschuldigen  … « (setze ein, was du willst; du kannst von niemandem etwas erwarten außer von dir selbst)
  • »Da kann ich nichts für …« Prüfe deinen Beitrag zur Situation.
  • »Ich erwarte von …« — ja, kann man; das gehört in die Kategorie »Wünsche an das Universum«. Probiere es es mit einer entsprechenden Formulierung.
  • »wie kann man nur …« — Hey, es muss jeder Mensch selbst entscheiden, wie er sein Leben führt.
  • »Dafür musst du dich anstrengen.« — Wenn es schwierig ist, versuche einen anderen Weg, denn all die Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe, und wer nicht liebt, was er tut, mag sich die Freiheit nehmen, das zu suchen, was er liebt.
  • »ich habe so viel Zeit investiert, und jetzt … (Enttäuschung).« — Hast du all die Zeit gelitten? Wenn ja, warum hast du die Situation nicht schon längst verlassen?
  • »Da musst du durch.« — Nö, müssen muss man nichts. Die Frage ist: Willst du da durch?
  • »Wer hart arbeitet, wird Erfolg ernten.« — Nee! Wer kontinuierlich mit Liebe seinem Weg folgt, der wird Erfolge ernten, vor allem welche für sich selbst …. Schau dir an, wie viele Menschen sich in dieser Lebenslüge selbst quälen und was ihnen übrig beliebt … am Ende.
  • »Also, so wie dieser Mensch würde ICH nie …« — Niemand erwartet, dass du denselben Weg beschreitest. Konzentriere dich auf deinen eigenen.

Mit jedem trennenden Gedanken überhöhst du unwillkürlich dich selbst und erhebst dadurch indirekt den Anspruch, der Mittelpunkt allen Geschehens zu sein. Du bist ein Mittelpunkt, der deines eigenes Lebens, aber nicht der dieser Welt.

Nachdenkliche Grüße,
die Chaostante,

LETHi-Faktor

LETHi-Faktor 1 (super) – 10 (OMG): 3
(es geht schon wieder aufwärts)

 

 

6 Kommentare zu „3 Gründe, warum du (noch) lebst“

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