Hänger über Hänger

Neues in Sachen meiner Depression. Es ist interessant, die Episoden zu beobachten.

Es war im Februar diesen Jahres, dass ich Stück für Stück mal wieder abgleitete. Im Mai puhlte ich mich wieder heraus. Wie es mir erging, liest du hier. Weiterlesen „Hänger über Hänger“

Neues aus dem Mehrgenerationenhaus

Pflege, »sich kümmern«, aber alles unter einem Dach. Hier die neuesten Anekdoten.

Ich kümmere mich seit 14 Jahren um meine Mutter (»Mom«), die krankheitsbedingt ihr Augenlicht verliert. Wir hatten schöne und schwierige Zeiten. Heute eine paar Anekdoten. Weiterlesen „Neues aus dem Mehrgenerationenhaus“

Mit 45 in die Beraterposition

Die Amisch haben ein interessantes Lebensmodell. Was wir davon lernen können.

Die täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft der Amischen, die in Pennsylvania siedelt, ist in vielerlei Hinsicht interessant. Durch ein Interview von Wolf-Dieter Storl durch Ken Jebsen bin ich heute auf einige Dinge aufmerksam geworden. Weiterlesen „Mit 45 in die Beraterposition“

I know that you gotta be free

Vor vielen Jahre zog sie aus, ihr Glück zu finden und heute erkenne ich, wie unglücklich sie in ihrem Hamsterrad ist: meine Schwester.

Yeah. Da war dieser Song 1980 auf dem Queen-Album. Er begleitet mich seither. Ja, und ich habe tatsächlich eine Schwester. Davon später mehr (also nicht nur hier unten im Artikel, sondern in späteren). Erst einmal die Wahnsinns-Dinge, die in den letzten Tagen passierten. Weiterlesen „I know that you gotta be free“

Mehrgenerationenhaus – ohne innere Grenzen

Immer mehr Menschen in meinem Umfeld leben so: sie kümmern sich um ihre Eltern oder den verbliebenen Anteil. Täglich – so wie ich.

Seit rund 12 Jahren kümmere ich mich um Mom, die mit mir ein einem Zweifamilienhaus lebt. Das Problem an der Konzeption: mein Reich erstreckt sich auf zwei Etagen, wovon das Erdgeschoss nicht gegen das Treppenhaus abgeriegelt ist. Ihre Wohnung ist also ein wahrer »Einlieger« zwischen meinen Wohnquadratmetern (diese Umbaugeschichte ist komplizierter und: nein: jetzt lässt sich das nicht mehr so einfach rückgängig machen …). Anfangs ging es gut, denn da benötigte sie keine Hilfe. Doch dann kam die Einlösung des Versprechens.

Am Anfang stand ein Versprechen

Vor rund 20 Jahren erhielt meine Mom eine Diagnose über eine unheilbare Augenerkrankung. Fazit ist, dass sie quasi erblindet. Sie wird immer schemenhaft sehen können, aber nichts mehr lesen, heran nahende Objekte nicht in der Geschwindigkeit abschätzen können usw. – kurzum: alleine leben wird irgendwann nicht mehr möglich sein. Sie nahm mir damals das Versprechen ab, dass ich sie damit nicht alleine lasse. Ein No-go! Dieser Zeitpunkt der Endphase ist vor drei Jahren eingetreten.

Wonderyears

Zu Beginn war alles klasse. Allerdings sah mein Alltag als Solopreneur auch anders aus:  ich war 60 Stunden in der Woche auf Reisen, beim Kunden vor Ort. Mein Schreibtisch sah mich nachts für einige Stunden, bevor ich im Morgenrauen auch schon wieder auf Achse war. Am Wochenende kochte ich dann eine gemeinsame Mahlzeit und war ansonsten mit Freunden unterwegs. Jede hatte ihr Leben.

Die stille Vereinnahmung meiner ganzen Person habe ich damals nicht bemerkt, denn mein Privatleben fand woanders statt. Doch dann änderte sich mein Geschäftskonzept – bedingt auch durch den steigenden Versorgungsaufwand aufgrund fortgeschrittener Krankheit meiner Mom [wieder einmal passte ich die Basis meiner Existenz, meine Freiberuflichkeit, den veränderten Bedürfnissen von Menschen in meinem Umfeld an. Es waren nicht meine Bedürfnisse – okay, das ist einen eigenen Artikel wert].

Null Privatsphäre

Tja, es kam, was kommen musste: ich wurde total vereinnahmt: als Bespaßer, als Zum-Essen-Ausführer, als Dienstmagd, als Beschaffer, als Chauffeur, als Hausmeister, als Kummerkasten und als Objekt des Lebensfrusts. Ein paar Dinge, die mir in den letzten Jahren heftig zusetzten:

  • Mein Briefkasten wurde von meiner Mutter geleert und nachdem sie fleißig die Absender studiert hatte legte sie mir die Post mitten auf meine Tastatur, während ich arbeitete.
  • Hatte ich Gäste, setzte sie sich dazu und ging einfach nicht weg. Voll peinlich. Vor allem, in welchem Aufzug sie sich ungebeten dazu gesellte.
  • Wenn ich in meiner Küche koche kommt sie mit wachsender Begeisterung von hinten an mich ran geschlichen und packt mich an die Hüften, als wäre ich ihr Liebhaber (eklig! Ich könnte ausrasten).
  • War ich dennoch auf Dienstreisen fand ich meine Räumlichkeiten durchwühlt vor; ich war schon so bekloppt, Haare auf Schrankspalten zu verteilen, um dann zu entdecken, dass diese weg oder durchrissen waren.
  • Neue Partner in meinem Leben wurden stets mit einem grundsätzlich anderem Namen angesprochen, so dass der Eindruck entstehen musste, dass hier Hinz und Kunz ein und ausgeht.
  • Meiner Verwandschaft (ihre einzigen sozialen Kontakte mit Ausnahme zweier Bekanntschaften in der Nachbarschaft) wurden übelste Dinge über meine Lebensführung erzählt, so dass diese sich erst nach Monaten trauten, mich direkt auf meine »Probleme« anzusprechen. Dinge, die nicht existieren. Zum Kotzen. Sie könnte wirklich im Großkonzern Karriere machen, denn in Sachen Mobbing ist sie Weltklasse.
  • Sehr urplötzlich verstarb mein heiß geliebter Kater an einer Vergiftung. Hier zweifle ich noch heute, ob meine Mom das Vertrauen missbraucht und Gift verabreicht hat (oder ihre unsäglichen Blutdrucksenker, die sie bereits mehrfach mißbräuchlich zum Vortäuschen eines Suizidversuchs selbst leicht höher dosiert eingenommen hatte – das zieht sich schon seit den 1980ern, bloß damals waren es Barbiturate). Es brach mir das Herz. Wirklich. Ehrlich. Vor allem aber die Ungewissheit über die Todesursache.
  • Nahezu jeder (mittlerweile nur noch versuchte) SmallTalk befasst sich mit dem Lästern über andere, Vermutungen über die Lebensführung anderer Menschen und überhaupt: nur Spekulationen, die als Wahrheit dargestellt werden. Kurzum: gemeine Lügen und Verleumdungen. Es ist kaum zu ertragen. Ich gehe da auch nicht drauf ein, sondern verlasse mittlerweile das Zimmer oder gar das Haus. – Ich könnte platzen.

Naja, wenn ich noch länger nachdenke, fallen mir noch mehr Dinge ein, die ich längst vergessen haben wollte.

Und dann begegnest Du Wesen, die Dir zeigen, was Dein Reich ist

Der Ausweg? Ich lebte nur noch in meiner inneren Stille. Bis dann ein Kater aus der Nachbarschaft sich entschloß, bei mir einzuziehen. Wir verbrachten einen produktiven und kurzweiligen Winter, von Anfang Oktober bis Anfang April. Pünktlich zum 1. April zog er wieder aus und besucht mich seitdem sporadisch. Dieser Kater hat es fertig gebracht, dass ich mir meinem Lebensraum Stück für Stück zurück erkämpfte, denn er kannte diese »Grenzen« nicht, die zwischen öffentlichem Raum innerhalb des Hauses und meiner kleinen Höhle bestanden. Ich baute dies Stück für Stück ab, um dann … festzustellen, dass autarkes Leben einfach etwas anderes ist, als 24 Stunden sieben Tage in der Woche zwölf Monate im Jahr einen Menschen an der Backe zu haben, der einfach keine Privatsphäre kennt.
Ich bin heute stärker als vor fünf Jahren. Klar, die Lebenssituation hat sich nicht geändert, doch ich kann gelassener damit umgehen. Danke, LETHi ❤

Stay tuned,
und wenn Du Samstag überlebst ist Sonntag,
die Chaostante.

LETHi-Faktor

LETHi-Faktor 1 (super) – 10 (OMG): 2-
Geht schon wieder. Ich hatte eine tolle Woche mit vielen Begegnungen, viel Liebe und Nähe.